Spiel und Spaß für Groß und Klein: Gemeinsam draußen – wie Fair Play im Park Neuköllns Nachbarschaften belebt
Felix ist anderthalb Jahre alt und konzentriert damit beschäftigt, immer wieder die grünen und gelben Spielsteine aus einem großen Outdoor-Vier-Gewinnt-Spiel herausfallen zu lassen. Er ist mit seiner Mutter Fernanda da, die aus Brasilien stammt und seit 2022 in Berlin lebt – derzeit in Neukölln an der Grenze zu Alt-Treptow. Von Fair Play im Park hat ihnen im letzten Jahr jemand in einer Krabbelgruppe erzählt, die sie regelmäßig besucht haben. Seitdem kommen die beiden im Schnitt zweimal in der Woche auf die Lessinghöhe, am liebsten bei schönem Wetter wie an diesem Nachmittag.
„Nach der Kita“, erzählt Fernanda, „verbringen wir viel Zeit hier. Wir sind supergroße Fans von Fair Play im Park. Meist sind wir mittwochs und donnerstags hier und manchmal gehen wir auch am Wochenende noch auf die Thomashöhe. Oft glauben einem die Leute gar nicht, dass es in Neukölln so ambitionierte Angebote gibt. Aber es gibt sie offensichtlich! Und hier sind so viele Kinder und so eine nette Community.“
Fernanda hat als Journalistin gearbeitet und macht auf ihrem eigenen Insta-Kanal ab und zu Werbung für die Events im Park, damit noch weitere Eltern mit ihren Kindern kommen. „Felix“, sagt sie, „findet hier immer viele Freunde. Und die Spielzeuge sind toll. Intuitiv erfassbar. Kinder jeder Altersgruppe spielen sofort los, wenn sie hier sind.“
Nur eine Sache fehlt ihr: „Es wäre optimal, wenn es einen Wickeltisch geben würde. So müssen die Leute ihre Kinder auf dem Boden wickeln. Das ist okay, aber nicht ideal.“
Selbstbewusst, niedrigschwellig und angenehm
Weithin sichtbar markiert das Projekt Fair Play im Park seinen jeweiligen Standort auf der Lessing- oder Thomashöhe zwischen Körnerkiez und Rollberg mit hohen bunten Fahnen. Projektleiter Diego Cuadra erläutert: „Uns geht es darum, nachbarschaftliche Beziehungen zwischen den Kiezen und ihren Menschen zu fördern, Brücken zu bauen. Menschen, die hierherkommen, teilen gemeinsame Erfahrungen, die Kinder kommen ins Spielen und die Erwachsenen sprechen miteinander. Wir bereiten das vor, schauen, dass die Wiese, auf der wir sind, sauber und ordentlich ist, damit die Teilnehmenden hier die Seele baumeln lassen können. Dafür haben wir unter anderem Sonnenliegen und weiße Sessel angeschafft. Man kann sich erholen, während man die Kinder beim Spielen aus dem Augenwinkel zusieht.“
Seit 2020 organisiert Diego das Projekt, das einen angenehmen Rahmen schafft, den Park mit Leben zu füllen und die Nachbarschaft gemeinschaftlich Stadtnatur genießen zu lassen. „Man kann sagen, dass sich unser Ansatz bewährt hat“, resümiert er. Dass der Bezirk Geld für Parksozialarbeit ausgibt, statt es in Polizei und Sicherheitsfirmen zu investieren, bezeichnet er als Neuköllner Sonderweg, der den Nachbarschaften und den Parks guttue.
„Menschen kommen jetzt häufiger hierher, Schulkinder und Jugendliche durchqueren den Park, es gibt weniger Hundedreck, Hunde werden an der Leine geführt, es ist sauberer und sicherer. Anfang des Jahres hieß es, das Projekt könne nicht mehr finanziert werden. Daraufhin gab es eine Petition und ab April/Mai war klar, dass es doch weitergeht. Seitdem sehen die Perspektiven für die kommenden Jahre für das Projekt besser aus und wir hoffen auf Planungssicherheit. Das ist einerseits für uns wichtig, weil wir ja Leute beschäftigen müssen, und andererseits natürlich für die Menschen aus den Kiezen, die die Angebote nutzen.“
Bewegung und Erholung in der Stadtnatur
Zwei derjenigen, die Fair Play im Park vor Ort durchführen, sind Mercedes und Carolina. Von Dienstag bis Donnerstag kommen sie mit ihrem randvoll beladenen Handwagen etwa um halb zwei am Nachmittag auf der Lessinghöhe an, freitags beginnen sie eine Stunde später.
„Meistens ist es hier auf der Wiese ganz sauber“, sagt Mercedes, die aus Argentinien nach Berlin gekommen ist und sich unter anderem auch mit ihrem Schmetterlingsgarten im Dammweg 216 für eine reichere Stadtnatur einsetzt. „Wir gucken immer, wie es aussieht, und sammeln Papier und Flaschen ein. Manchmal finden wir allerdings auch Müll, den wir dann sachgerecht entsorgen. Wenn alles soweit vorbereitet ist, richten wir unsere verschiedenen Stationen ein und stellen die Fahnen auf.“
Carolina, die bereits seit vier Jahren beim Projekt dabei ist, ergänzt: „Manchmal kommen 9- oder 10-jährige Kinder, die uns sehen, und fragen, wie das Programm funktioniert. Oft können sie es dann kaum glauben, dass sie einfach alles benutzen können. Und das für umsonst! Manche Familien feiern bei uns auch die Geburtstage ihrer Kinder.“
Spaß und Bewegung, Begegnungen und Erholung unter freiem Himmel verspricht Fair Play im Park. Für die Umsetzung stehen Gesellschafts- und Bewegungsspiele für die Outdooranwendung zur Verfügung, es gibt Jonglierbälle, Keulen und andere Akrobatik-Utensilien. Denn neben den ganz Kleinen sollen auch Schulkinder, Jugendliche und die Eltern angesprochen und ermutigt werden, sich zu betätigen und ihre Geschicklichkeit zu beweisen. Darüber hinaus gibt es robuste Musikinstrumente, vor allem verschiedene Arten von Trommeln. Und natürlich Bälle in allen Größen, aber auch Kinderbücher zum Anschauen und Vorlesen sowie eine Kleinkinderabteilung mit Sachen zum Anfassen und Fühlen. „Mit unseren Stationen wollen wir alle Sinne ansprechen“, erklärt Diego.
Eine bunte Mischung – auch beim Publikum
Laura hat italienische Wurzeln und lebt außerhalb des S-Bahnrings nahe dem Kranoldplatz. Sie hat Fair Play im Park beim Vorbeilaufen auf ihrem Weg in die Stadt entdeckt. „Ich dachte immer: Das sieht schön aus!“, sagt sie. Mit einer Nachbarin und ihrer dreizehn Monate alten Tochter Sofia-Melina kommt sie nun häufig vorbei und freut sich, dass Sofia-Melina andere Kinder sieht, Spaß hat, spielt, klettert und auf das Trampolin will. „Das ist super hier. Wir kommen immer wieder gern! Auch, weil es für uns als Erwachsene attraktiv ist, hier zu entspannen und ins Gespräch zu kommen.“
„Tolles Spielzeug, megacool, witzige Bauklötze und alles“, freut sich auch Raol, der mit seiner Tochter Weyra und Lea, seiner Frau, da ist. „Man muss gar nichts mitbringen und kann einfach alles nutzen. Wir waren auch schon bei anderen ähnlichen Projekten in Neukölln, zum Beispiel morgens in der Kindervilla in der Krabbelgruppe. Aber dass das hier draußen stattfindet, ist natürlich noch toller. Vor allem, weil es doch alles sauber ist und es ordentliche Unterlagen gibt, auf die man sich setzen kann. Wir sind jedenfalls dankbar, dass so etwas existiert. Und dann auch noch so sympathisch organisiert und niedrigschwellig!“
Levi, siebzehn Monate, und seine Mutter Anne freuen sich über das perfekte Wetter. „Wenn es warm, aber nicht zu heiß ist, ist das hier im Schatten unter den Bäumen die perfekte Location für Kinder zum Spielen“, findet Anne. Besonders gefällt ihr, dass Kinder aller Altersstufen zusammenkommen und spielen. Durch die unterschiedlichen Stationen mit ihren jeweiligen Angeboten verteile sich alle gut. „Besonders die Musikinstrumente sind großartig, und dass es einen Bereich für die ganz Kleinen gibt. Levi stürzt sich immer zuerst auf die Bälle. Uns fehlt hier eigentlich nichts. Für größere Kinder gibt es mit Scoop oder den Stelzen eigene Herausforderungen. Die Kleinkinder benutzen alles sehr kreativ, zum Beispiel die Plastikhüte, mit denen Parcours gebaut werden können oder die sie einfach immer wieder neu stapeln. Manchmal müssen wir auf dem Weg hierher am Spielplatz haltmachen, weil es sonst Geschrei gibt. Aber dann kommen wir doch lieber hierher, weil es einfach mehr Spielmöglichkeiten gibt und viele Eltern, die man immer wieder trifft.“
Durchgeführt wird das Projekt Fair Play im Park in der Thomashöhe und Lessinghöhe vom Nachbarschaftsheim Neukölln e. V. im Auftrag des Straßen- und Grünflächenamtes Neukölln.
Es findet dienstags bis donnerstags jeweils von 14 bis 18 Uhr und freitags von 15 bis 19 Uhr auf der Lessinghöhe und am Samstag von 14 bis 18 Uhr auf der Thomashöhe statt.